Bezirksverband
Hamm - Kreis Unna
der Kleingärtner e.V.

 

                                   Obstbaumschnitt

apfelbau                 
    
       Der Baum muss zuvor gut sein,
                   ehe er gute Früchte trägt.....

                           
              Martin Luther (1483 - 1546)

 

Die drei Wuchsgesetze -

Basis für Harmonie in der Baumkrone. Jeder Baum hat seine eigene individuelle Entwickelung, seine eigene Ordnung, seine eigenen inneren Gesetze und dementsprechend auch seinen eigenen Kronenaufbau.

Das erste Gesetz:
die „Spitzenförderung“. Sich selbst überlassene Obstbäume bilden eine Krone und damit ein- deutige Spitzen aus, da die am oberstem Ast stehende Knospe am stärksten und steilsten austreibt. Dies führt dann dazu, dass der Baum im oberen Kronenbereich stärker wächst, die mittleren und unteren Kronenteile beschatten und hier nur kleine Früchte entstehen. Hier muss z. B. durch „Auslichtungsschnitt“ eingegriffen werden.

Das zweite Gesetz:
scheredie „Oberseitenförderung“. Auf der Oberseite eines waagerechten stehenden Astes treiben die Knospen auf der ganzen Länge mit schwachen, fast gleichgroßen Trieben aus. Aus den Trieben entsteht das begehrte Fruchtholz. Es heißt so, weil nur an ihm Blüten und damit Früchte entstehen können. Durch waagerechtes Binden und Beschweren der Äste kann man diesen Prozess beschleunigen.

Das dritte Gesetz:
Die „Scheitelpunktförderung“. Wenn sich ein Ast (z. B. unter der Last von Früchten) bogen- förmig nach unten biegt, entsteht auf dem höchsten Punkt des Astes (Scheitelpunkt) ein neuer, wüchsiger Trieb. Der untere Teil des Astes wird daraufhin nur noch sehr schwach oder gar nicht mehr wachsen. Dies wird beim so genannten Verjüngungsschnitt genutzt, indem die Teile unter dem Scheitelpunkt-Austrieb abgeschnitten werden.

Wie reagiert ein Baum auf „künstlichen“ Schnitt?
Jeder kräftige Rückschnitt hat einen kräftigen Austrieb zur Folge, da in den Wurzeln plötzlich ein Überschuss an gespeicherter Energie zur Verfügung steht. Diese Energie wird dann den vorhandenen Knospen verstärkt >>angeboten<<. Man nutzt dies, um junge Obstbäume zu kräftigem Wachstum zu bewegen (Pflanzschnitt) oder um vergreiste Bäume zu kräftigem Austrieb zu ermuntern (Verjüngung).Ein schwacher Rückschnitt hat nur einen schwachen Austrieb zur Folge. Man nutzt dies, um Obstbäume in ihrer >>Erziehungsphase<< zur Bildung von Fruchtholz – auch unterstützt durch Hinunterbiegen – anzuregen und so die Ertragsphase schon früh einsetzen zu lassen.
Wenn mehrere Äste oder gar die gesamte Baumkrone ungleichmäßig geschnitten werden, werden die längeren Äste alle Energie aus der Wurzel bis zu ihrem höchsten Punkt (Saftwaage) ziehen und der gesamte Rest wird nur unzureichend versorgt. Deshalb bestimmt der stärkste Eingriff an einem Ast (z B. auch bei Abbrechen eines Astes/Sturmschaden), wie viel an den anderen Kronenteilen entfern werden muss.
Und noch etwas: Jeder Schnitt hinterlässt beim Baum eine echte Wunde. Sie sollte versorgt werden, damit die Selbstheilungskraft der Natur unterstützt wird.

So versorgen Sie die Wunden fachgerecht:
Bäume, die mehrere Jahrhunderte alt werden können, wie z. B. Eichen oder Linden, können in ihrem inneren Holzkörper Gerbstoffe einlagern, kallusdie als natürliche Fungizide wirken. Doch bei Obstbäumen ist der innere Holzteil dem Angriff von Pilzen ziemlich wehrlos ausgesetzt. Der Obstbaum >>weiß<< zwar auch von seiner Verletzung und versucht, die Wunde so rasch wie möglich zu überwachsen, doch eingedrungene Pilze werden nicht natürlich bekämpft. Bei einem Obstbaum nennt man das Überwachsen auch Überwallen, da rund um die Wunde ein auffälliger Wall oder Wulst entsteht.

Eine Wunde von 1 – 2 cm Durchmesser vermag in etwa 1 – 2 Jahren zu überwachsen, eine teller- große Wunde braucht Jahrzehnte. Während dieser Zeit läuft die Zellteilung ständig auf Hochtouren. Wundränder möglichst glatt schneiden und notfalls mit einem Messer nachziehen. Alle Schnittwunden, die größer als ein Markstück sind, mit einem Wundverschlussmittel behandeln. Das Wundverschluss- mittel schützt die hochempfindlichen Zellen vor dem Austrocknen.

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