|
Teil II
Nach Beendigung des Krieges 1945 bis zur Währungsreform 1948 wurde durch die Not der Zeit jede zur Verfügung stehende Fläche kleingärtnerisch genutzt und sehr sehr viele Bürger wurden Kleingärtner. Die Kriegszerstörungen und die totale Kapitulation Deutschlands führten damals zur völligen Auflösung allen gewohnten Lebens und Kleingärten mit Wohnmöglichkeiten wurden zur begehrtesten Behausung, denn das Dach über den Kopf und die Aussicht auf eine eigene Ernte waren mit Gold nicht aufzuwiegen. Es entstanden somit viele neue Anlagen.
Der Zusammenbruch 1945 bedeutete dann die Auflösung aller bestehenden kleingärtnerischen Organisationen. Da der Landesverband nach dem Kriege neu gegründet wurde, erfolgte von hier auch die Neueinteilung der Kreis- und Stadtverbände. Die Kleingartenvereine der Stadt Hamm und des Kreises Unna wurden in den „Kreisverband der Kleingärtner im Landesverband“ zusammengefasst. Laut Eintragung im Vereinsregister der Stadt Hamm wurde die erste Satzung des „Kreisverbandes der Kleingärtner“ am 3. August 1947 aufgestellt und am 8. November 1947 eingetragen. Die ersten Wegbegleiter des neuen Kreisverbandes waren die Gartenfreunde Fritz Wilkens (Vorsitzender), Hermann Stratmann (stellv. Vorsitzender), Egon Granzeuer (Schriftführer) und Emil Flecke (Kassierer).
Da im Jahre 1962 durch Beschluss des Bundesverbandes Deutscher Kleingärtner sowie des Landesverbandes Westfalen und Lippe der Kleingärtner eine Umbenennung der Kreis- und Stadtverbände in Bezirksverbände gewünscht wurde, beschloss die Mitgliederversammlung am 1. Juli 1962 den § 1 (Name des Verbandes), der 1947 beschlossenen Satzung, in „Bezirksverband Hamm (Westf.) der Kleingärtner e.V.“ zu ändern.
Inzwischen hat sich auch die Anzahl der Kleingärtnervereine von 9 Vereine im Jahre 1947 auf 21 Vereine im Jahr 1962 erhöht. Davon befinden sich 12 Vereine im Stadtbereich Hamm und 9 Vereine im Kreis Unna und die Mitgliederzahl ist auf 1070 gestiegen.
Stolz ist man in diesem Jahr auch auf die gute Jugendarbeit. Allein die Schreberjugend des Kreises Unna, geführt von der Jugendleiterin Hanna Schütz, zählt zurzeit 189 Jugendliche. Davon 105 Jugendliche im Alter von 14 - 22 Jahre und 84 Kinder von 6 – 14 Jahre. Die Gruppennachmittage bestehen aus Basteln, Laienspiele und Volkstanz. Besonders haben sich die Jugendlichen und Kinder über die durchgeführten Ausflüge und Reisen zur Mosel, nach Holland, in die Schweiz, nach Borkum, nach Würzburg und an die Ahr gefreut.
|

|
|

|
Oben: das 1952 erbaute Vereinsheim des früheren KGV “Ahsetals” Unten: der 1968 errichtete Anbau diente als neue Geschäftsstelle.
|
|
Immer schneller wuchs die Anzahl der Mitglieder des Bezirksverbands Hamm (Westf.) der Kleingärtner e.V.. Der Grund war die Neugründung der Vereine KGV „Königsborn“ in Unna/Königsborn und des KGV „Immergrün“ in Bergkamen. Gleichzeitig hat sich die kommunale Neuordnung 1968 auf die Kleingartenbewegung in Hamm ausgewirkt. Durch die Eingliederung der Gemeinden Berge sowie des Großteils Wiescherhöfen hat der Bezirksverband die Kleingartenvereine „Heckenrose“ am Langewanneweg im Ortsteil Berge und „Glück Auf“ auf dem Daberg gewonnen. Damit zählt der Bezirksverband, dessen neue Geschäftsstelle von Mitgliedern des Kleingartenvereins „Ahsetal“ in Selbsthilfe an dessen Vereinsheim hinter dem Oberlandesgericht angebaut wurde, jetzt 25 Vereine mit 1167 Mitgliedern, 15 Vereine davon in der Stadt Hamm und 10 im Kreis Unna.
1969 wird erstmals der auch noch heute stattfindende Anlagenwettbewerb „Rote Azalee“ durchgeführt. Folgende Vereine nahmen damals teil. In Hamm: Waldfrieden, Killwinkel, Nordenheide, Sonnenblick, Ahsemünde, Heidefriede, Ahsetal, Neuland, Heckenrose, Glück Auf, Ahornallee, Caldenhof, Beisenkamp und Gas- und Wasserwerk. In Unna: Unna-Königsborn, Fröndenberg, Westick-Kaiserau, Schöner Fleck, Bergkamen, Weddinghofen, Haus Aden, Goldäcker und Ostwennemar.
Der erste Anlagenwettbewerb, dessen Abschlussveranstaltung am 21.09.69 in der Kleingartenanlage Nordenheide stattfand, war ein voller Erfolg. Sieger in der Stadt Hamm wurde die Kleingartenanlage „Sonnenblick“ und im Kreis Unna die Kleingartenanlage „Königsborn“. Im Jahre 1975 vergrößerte sich der Bezirksverband wiederum. Grund war die zweite kommunale Neuordnung und Kreisreform. Durch die Eingemeindung der Städte Bockum-Hövel und Heessen nach Hamm und Schwerte in den Kreis Unna sowie durch Schaffung neuer Kleingartenanlagen erhöhte sich die Anzahl der Vereine auf 33. Von den 33 Vereinen befinden sich zu der Zeit 25 in Hamm und 8 in Unna und die Anzahl der Mitglieder stieg auf 1830.
Das hat es in Hamm noch nicht gegeben steht am 6. September 1976 im WAZ. 1500 Kleingärtner marschierten damals gemeinsam mit 3000 Schützen und 1500 Musikern am Sonntagnachmittag, den 5. September 1976 zu den Zentralhallen, wo der Oberbürgermeister Dr. Günter Rinsche Mdl den am Vortrag ermittelten Schützenkaiser proklamierte und die Kleingärtner mit Urkunden auszeichnete. Der Anlass dazu war die 750-Jahrfeier der Stadt Hamm. Die Innenstadt war überfüllt mit Besuchern, die sich auch bei wolkenverhangenem Himmel und einigen Schauern das Spektakel nicht entgehen lassen wollten. Der Beifall der Hammer Bürger zeigte vor allem den Kleingärtnern, dass ihre Mühe, wundervoll geschmückte Blumenwagen herzurichten, nicht umsonst war.
Durch die Einführung der Ehegattenmitgliedschaft zum 1.1.1977 ist die Mitgliederzahl sprunghaft gestiegen. Zählte der Bezirksverband am 1. Januar 1976 noch 1.830 Mitglieder, so waren es Ende des Jahres 1977 inzwischen schon 2.576 Mitglieder. In diesen 2.576 sind 743 Ehegattenmitglieder enthalten.
Ein Höhepunkt in der Geschichte des Bezirksverbandes findet im Jahr 1981 statt. Der Bezirksverband feierte am 6. September mit einem Blumenkorso sein 50-jähriges Jubiläum. Der Ökonomierat-Peitzmeier-Platz glich an diesem Sonntagnachmittag einem Bienenstock. Es war ein ständiges Kommen und Gehen, als sich 2500 Kleingärtner aus Hamm und dem Kreis Unna zum großen Umzug anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Bezirksverbandes Hamm – Kreis Unna trafen. Bereits am
Eingang zum Platz wurden buntgeschmückte Wagen, kostümierte Fußgruppen, Fanfaren- und Trommlerkorps vom Bezirksvorsitzenden Wolfgang Sulk empfangen, der sie auf die richtigen Plätze dirigierte. Pünktlich auf die Minute um 15 Uhr setzten sich dann die Kleingärtner zu ihrem großen Blumenkorso in Bewegung. Die Richard-Wagner-Straße, Goethestraße, Sternstraße, Martin-Luther-Straße, Bahnhofstraße und Wilhelmstraße bis zum Westenschützenhof waren gefüllt von Menschen. Vor allem die Hobbyfotografen und –filmer kamen an diesem Tag auf ihre Kosten. Alle Kleingärtner hatten ihr Bestes gegeben und keine Arbeit gescheut, den vielen Menschen am Straßenrand einen schönen Sonntagnachmittag zu bereiten. Wen wunderte es also, dass die Wagen, Fußgruppen und Musikkapellen durch die ganze Innenstadt von heftigem Beifall begleitet wurden. In der Brauerei Isenbeck endete der Tag für die teilnehmenden Kleingärtner mit einer großen Jubiläumsveranstaltung.
Ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte des Bezirksverbandes fand 1984 statt. In diesem Jahr wurde in Nordrhein-Westfalen (im Maximilian-Park in Hamm) erstmalig eine Landesgartenschau durchgeführt, an der sich die Kleingärtner des Verbandes mit 4 extra angelegten Mustergärten beteiligten.
Am 29. September 1984, zum Abschluss der Landesgartenschau, beteiligten sich die Kleingärtner des Bezirksverbandes dann zum dritten Mal an einem Blumenkorso. Hübsche Bienen, wandernde Tulpen, rollende Bärenbrunnen und Wassertürme – der großartige Blumenkorso zu Erntedank und Landesgartenschau-Abschied fand wieder tausende von Zuschauern. Von den Zentralhallen ging der kilometerlange Zug bis zum Jumbo – bei strahlendem Wetter. 35 Kleingartenvereine, 20 Musikkapellen und die Hammer Landwirte halfen, das einmalige Ereignis zu gestalten. Selbst der Oberbürgermeister der Stadt Hamm, Werner Figgen, genoss auf einem mit Blumen geschmückten Wagen das Freizeitvergnügen. Vor und hinter ihm die Hammer Landwirte die sich mit alten Geräten und historischer Bekleidung präsentierten. Zu Fuß und mit dem Radl traten die feschen Kleingärtnerinnen an und verteilten Blumen. Hervorragend gelungen und bis ins Detail originalgetreu war der Elefantenbruder des Gartenschau-Jumbos, den die Kleingärtner des KGV „Im Plackengrund“ für diesen Tag gebaut hatten.
Heute hat sich der Bezirksverband auf 45 Kleingärtnervereine mit 3.990 Kleingärtnerinnen und Kleingärtner vergrößert. Der letzte Kleingartenverein KGV „Kissingerhöhe“ trat am 01.10.2004 dem Bezirksverband bei. Wie bei den meisten Kleingartenanlagen stellte auch hier die Stadtverwaltung Hamm bereitwillig – das gute Einvernehmen der Stadtverwaltung mit den Kleingärtnern muss hier einmal besonders hervorgehoben werden - Gelände zur Verfügung. Der Bezirksverband Hamm-Kreis Unna der Kleingärtner e. V. stellt sich auch im 75. Jahr seines Bestehens den aktuellen Herausforderungen an das Kleingartenwesen. Auch in der Zukunft wird eine der wichtigsten Aufgaben des Verbandes die Beratung der Vereine und deren Mitglieder sein. Gemeinsam mit seinen Mitgliedern und allen Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern wird er sich auch weiterhin für den Schutz der Umwelt sowie für die Sicherung und Erhalt der 45 Kleingartenanlagen einsetzen.
nach oben

|